16.12.2011

Vision einer klimaneutralen Stadt bis 2050

Studie des Öko-Instituts belegt Erreichbarkeit, zeigt aber auch die notwendigen Anstrengungen auf.

Diskutiert wurden gestern im Gemeinderat der Stadt Freiburg die Ergebnisse der Studie "Freiburg 2050 - Auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt". Die vom Öko-Institut erarbeitete Studie untersucht die Frage, ob und wie es gelingen kann, bis zum Jahr 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen zu minimieren. Ergebnis: Mit den heutigen Instrumenten und Förderprogrammen wird es nicht gehen, eine radikale Ernergiewende wird nötig sein, und diese muss schon heute beginnen.


KlimaneutraleKommune

Hochwertige energetische Sanierung des Gebäudebestands ist ein Muss, wenn die Stadt bis 2050 klimaneutral sein will. (Foto: A. J. Schmidt)

Halbierung des Energieverbrauchs im Durchschnitt, fast ausschließliche Nutzung von erneuerbaren Energien sowie knapp 70 Prozent Eigenstromerzeugung – das sind die Hausmarken, die es zu erreichen gilt, wenn Freiburg klimaneutral sein will. Zur Begriffsklärung: Das Öko-Institut Freiburg spricht ab einer 90-prozentigen Einsparung von Treibhausgasen von Klimaneutralität.

Die Stadt wurde 2010 beim landesweiten Wettbewerb „Klimaneutrale Kommune“ zusammen mit acht weiteren Städten ausgewählt und muss nun zeigen, mit welchen Strategien sie ihren Strom- und Wasserverbrauch sowie ihren Energiebedarf für Mobilität bis 2050 weitgehend klimaneu­tral bereitstellen kann. Diese Studie ist nun abgeschlossen und wird  bis Ende 2011 dem Land vorgelegt. Damit kann die Stadt auch zwei weiterführende Musterprojekte zur Förderung beantragen, bei deren Umsetzung dann das Land voraussichtlich 50 Prozent der Kosten übernimmt.

Energiewende muss zügig eingeleitet werden

Die bisherigen Initiativen und Bemühungen werden nicht ausreichen, um klimaneutral zu werden. Eine radikale Energiewende ist dazu nötig. Und zu dieser kann die Stadt alleine wenig beitragen. Freiburg kann das Ziel der Klimaneutralität nur erreichen, wenn die klimapolitischen Rahmenbedingungen in der Region, beim Land, beim Bund und in der EU durch neue Gesetze und Förderangebote grundsätzlich geändert werden.

„Die Vision einer klimaneutralen Stadt kann nur dann verwirklicht werden“, so Oberbürgermeister Dieter Salomon, „wenn wir und alle verantwortlichen Handlungsträger heute bereits die Rahmenbedingungen schaffen.“ Ohne zügiges Handeln sei das ambitionierte Ziel der Klimaneutralität bis 2050 nicht zu erreichen. Mit der Energiewende müssten sich auch die Lebensgewohnheiten der Bevölkerung ändern: Der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß von derzeit 8,5 Tonnen im Jahr müsste auf 0,65 Tonnen sinken, der Energieverbrauch im Verkehr um 65 Prozent reduziert und der öffentliche Nahverkehr massiv ausgebaut werden. Und die Gebäudesanierung müsste forciert werden.

Hier zeigen sich besonders gute Möglichkeiten, um sowohl die Energieeffizienz zu steigern und gleichzeitig erneuerbare Energien zu nutzen. Bis 2020 müsste ein Viertel der Wohnfläche energetisch hochwertig saniert werden, bis 2050 90 Prozent. Um das formulierte Ziel bis 2020 zu erreichen, müsste das Tempo der Sanierungen im Vergleich zu heute fast vervierfacht und viel Geld ausgegeben werden, knapp 100 Millionen Euro pro Jahr. Um Anreize für die Sanierung zu schaffen und die Kosten nicht alleine auf die Vermieter und die Mieter zu übertragen, sei es sinnvoll, dass der Bund neue Förderprogramme auflegt, so Gutachter Christof Timpe vom Öko-Institut.

Doch ist auch das Land selbst als Gebäudeeigentümer gefordert. Ein Drittel der Energie im Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen in Freiburg verbrauchen die Liegenschaften des Landes – beispielsweise die Uniklinik oder die Universität. Zum Vergleich: Städtische Liegenschaften verbrauchen nur knapp acht Prozent.

Timpe beschreibt die Energiewende als gewaltige gesamtgesellschaftliche Herausforderung und fügt hinzu, dass die volkswirtschaftlichen Kosten durch den Klimawandel viel größer seien, wenn die Energiewende nicht geschafft würde. Wie man der großen Herausforderung begegnen kann, zeige die Studie. Sie mache keine Prognosen, sondern „Wenn-dann-Aussagen“ und analysiere den Wunsch nach einer erfolgreichen Energiewende realistisch und ziehe daraus ihre Schlüsse.

Umsetzung in der städtischen Klimaschutzpolitik

Die Stadt will bis zum Ende des Jahres anhand der gewonnenen Erkenntnisse aus der Studie zwei Musterprojekte beim Land einreichen und hofft auf Förderung. Eines der Projekte wird die Sanierung eines älteren Stadtteils sein, das als Leuchtturmprojekt die Zukunftsvision der klimaneutralen Stadt aufgreift. Das zweite Projekt ist ein Mobilitätskonzept, das den Autoverkehr reduzieren und unterschiedliche Verkehrsarten verbinden soll. Darüber hinaus fließen die Erkenntnisse der Studie in das Klimaschutzkonzept der Stadt. 

Die Studie gibt es hier zum Download.

Quelle: Stadt Freiburg


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